Archiv für die Kategorie „Kosmologie“
Astronomen entdecken das bislang kälteste substellare Objekt
In der nächsten Nachbarschaft der Sonne, in höchstens 50 Lichtjahren Entfernung, hat eine internationale Astronomengruppe um Philip Lucas und Ben Burningham von der University of Hertfordshire zwei Braune Zwerge entdeckt, die sich gegenseitig umkreisen. Einer der beiden Beinahe-Sterne scheint nur wenig mehr als 200 Grad Celsius warm zu sein.
Entdeckt wurde das Objekt im Rahmen einer Suche nach Braunen Zwergen mittels des United Kingdom Infra-Red Telescope (UKIRT) auf Hawaii. Bei den Beobachtungen wurde der neue Braune Zwerg als schwache Infrarotquelle direkt neben einem bereits bekannten Braunen Zwerg ausgemacht.
Der kühle kleine Braune Zwerg weist etwa das 30-fache der Masse des Jupiter auf, sein Partner dürfte mindestens doppelt so massereich sein.
Pfotenabdruck einer kosmischen Katze

Der Katzenpfotennebel (NGC 6334).
(ESO)
Die Europäische Südsternwarte (ESO) veröffentlichte heute eine eindrucksvolle Aufnahme des Katzenpfotennebels (NGC 6334). Diese komplexe Struktur aus Gas und Staub, Geburtsstätte einer Vielzahl massereicher Sterne, befindet sich im Sternbild Skorpion nahe der Zentralregion der Milchstraße und ist aufgrund von Staubwolken, die zwischen ihr und der Erde liegen, weitgehend verdeckt. Das leuchtende Gas gleicht dem Pfotenabdruck einer riesigen kosmischen Katze.
Die gesamte Gas- und Staubwolke hat einen Durchmesser von rund 50 Lichtjahren. Der etwa 5.500 Lichtjahre entfernte Nebel erscheint am Himmel größer als der Vollmond. Das rote Licht stammt von Wasserstoffgas, das durch die intensive Strahlung heißer junger Sterne zum Leuchten angeregt wird. Jeder dieser Sterne besitzt eine Masse, die etwa der zehnfachen Masse unserer Sonne entspricht.
Das explosive Herz von Eta Carinae

Eta Carinae,
aufgenommen mit dem südlichen Spiegelteleskop
des Gemini-Observatoriums auf dem Cerro Pachón in Chile.
Das Bild wurde mit dem
Near Infrared Coronagraphic Imager (NICI)
unter Zuhilfenahme adaptiver Optik gemacht
und ist ein Farbkomposit aus drei Infrarotkanälen.
(J.C. Martin et. al., Gemini Observatory/AURA, astroarts.org)
Zum Vergrößern das Bild anklicken.
Das Gemini-Observatorium hat vorgestern ein Bild veröffentlicht, das mit Hilfe adaptiver Optik aufgenommen wurde und einen einzigartigen Blick in den Homunculus-Nebel ermöglicht. Dieser bipolare Nebel umhüllt den gut 7.500 Lichtjahre entfernten Stern Eta Carinae im südlichen Sternbild “Kiel des Schiffs”.
Mein Gott, es ist voller Sterne!

Die Sternentstehungsregion R136
im Nebel 30 Doradus.
(NASA, ESA, and F. Paresce (INAF-IASF, Bologna, Italy),
R. O'Connell (University of Virginia, Charlottesville),
and the Wide Field Camera 3 Science Oversight Committee)
Dieses neue Bild von Hubble’s Wide Field Camera 3 (WFC3) ist die bislang detaillierteste Aufnahme der größten stellaren Kinderstube in unserer galaktischen Nachbarschaft. R136, wie diese massive Ansammlung junger Sterne bezeichnet wird, ist nur ein paar Millionen Jahre alt und befindet sich im Nebel 30 Doradus, einer turbulenten Sternentstehungsregion in der Großen Magellanschen Wolke, die eine Satellitengalaxie unserer Milchstraße ist. Die meisten der eisblauen Sterne, die auf dieser Aufnahme zu sehen sind, gehören zu den massereichsten Sternen überhaupt. Einige von ihnen besitzen über 100 Mal mehr Masse als unsere Sonne. In ein paar Millionen Jahren wird diese Region eine unglaubliche Show zu bieten haben: diese massereichen Sterne werden gleich einer Kette von Feuerwerkskörpern als Supernovae explodieren!
Orionnebel: Hubble fotografiert Planetensysteme im Embryo-Stadium

Protoplanetare Scheiben und Globulen im Orionnebel.
(NASA/ESA and L. Ricci (ESO))
Mit der Advanced Camera for Surveys (ACS) hatte das Weltraumteleskop Hubble kürzlich einen tiefen Blick in den Orionnebel gewagt und konnte dabei die stattliche Anzahl von 42 protoplanetaren Scheiben und Globulen auffinden und fotografieren. Einige dieser Planetensysteme im Embryo-Stadium erscheinen als Pfeile, Bumerangs oder Quallen – und werfen somit ein Licht auf den Mechanismus hinter der Planetenentstehung.
Infrarotteleskop WISE erfolgreich gestartet
Das neue Infrarotteleskop der NASA, der Wide-field Infrared Survey Explorer (WISE), ist am gestrigen Montag, den 14. Dezember 2009 um 15:09 Uhr MEZ erfolgreich von der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien gestartet.
WISE wird die Erde in einem sonnensynchronen 525 km-Orbit über die Pole hinweg umkreisen und innerhalb von sechs Monaten den gesamten Himmel “absuchen”. Die Astronomen hoffen, mit der Infrarotkamera der Sonde massenhaft kosmische Objekte aufzuspüren, die im sichtbaren Licht kaum zu finden sind. Dazu zählen etwa dunkle Asteroiden, Braune Zwerge, und Galaxien, die sich hinter dichten Gas- und Staubwolken verbergen.
Die Augen von WISE sind im Vergleich zu vergangenen Infrarot-Untersuchungen des Himmels eine riesige Verbesserung: die Empfindlichkeit der vier Infrarot-Kanäle ist mindestens 1.000 Mal größer als bei früheren Projekten wie z.B. IRAS oder AKARI.
NASA’s WISE Eye on the Universe Begins All-Sky Survey Mission
Überraschung im "Großen Wagen"
Das wohl bekannteste Sternbild am Nordhimmel ist der Große Bär, dessen prominentester Teil im Volksmund als der “Große Wagen” bezeichnet wird, weil er wie ein Kastenwagen mit einer geknickten Deichsel aussieht. Genau am Knick der Deichsel befindet sich der helle Stern Mizar. Etwas oberhalb von ihm ist ein schwächerer Stern zu erkennen: Alkor.
Eine Forschergruppe um Ben R. Oppenheimer vom American Museum of Natural History untersuchte Alkor mit dem Fünf-Meter-Hale-Teleskop auf dem Mount Palomar in Kalifornien, um im Rahmen des “Projekts 1640″ einen stellaren Koronografen und eine adaptive Optik zu testen.
Das “Projekt 1640″ wurde geschaffen, um Exoplaneten direkt abbilden zu können. Dabei blendet der Koronograf das Licht des Muttersterns des Exoplaneten aus und die adaptive Optik sorgt dafür, dass das Bild nicht durch die Luftunruhe der Erdatmosphäre verwischt wird.
Um die Geräte auf ihre Funktion hin zu testen, wurde das Teleskop zunächst auf leicht zu beobachtende Sterne wie z.B. Alkor gerichtet. Im März 2009 entdeckte das Forscherteam dabei einen schwachen Lichtpunkt neben Alkor. Weitere Beobachtungen in den Folgemonaten zeigten, dass sich Alkor und der lichtschwache Stern in gleicher Richtung am Himmel bewegen und offenbar ein physisches Paar bilden.
Alkor B, wie der Begleiter nun genannt wird, umkreist den Hauptstern Alkor A in rund 90 Jahren einmal. Alkor B weist etwa ein Viertel der Masse unserer Sonne auf und gehört damit zu den Roten Zwergen der Spektralklasse M. Seine Oberflächentemperatur liegt demnach zwischen 2.000 und 2.500 Grad Celsius. Alkor A ist ein Stern des Spektraltyps A5 mit etwa der doppelten Sonnenmasse. Beide Sterne sind von uns rund 80 Lichtjahre entfernt.
Hubbles bislang tiefster Blick ins All

Das neue Hubble Ultra Deep Field.
(NASA, ESA, G. Illingworth (UCO/Lick Observatory
und University of California, Santa Cruz),
R. Bouwens (UCO/Lick Observatory und Leiden University),
und das HUDF09 Team)
Seinen bislang tiefsten Blick in den Kosmos hat das Weltraumteleskop Hubble geworfen. Die neue Infrarot-Aufnahme, erstellt mit der im Mai dieses Jahres neu installierten Wide Field Camera 3, zeigt Galaxien aus der frühesten Kindheit des Universums – lediglich 600 Millionen Jahre nach dem Urknall !
Der Forscher Garth Illingworth von der University of California und seine Kollegen ließen Hubble insgesamt 48 Stunden lang auf einen Fleck am Himmel starren, den das Teleskop bereits vor einigen Jahren sehr ausführlich gemustert hatte. Dank der langen Belichtungszeit sind auf der neuen Aufnahme selbst Objekte zu erkennen, deren Lichtintensität nur ein Milliardstel jenes Wertes erreicht, bei dem sie im sichtbaren Wellenlängenbereich gerade noch mit bloßem Auge erkennbar wären.
Hubble’s deepest view of Universe unveils never-before-seen galaxies
Image: Hubble’s Deepest View of Universe Unveils Never-Before-Seen Galaxies
Reinvigorated Hubble Space Telescope Reveals Most Distant Galaxies Yet
Hubble: Staubsäule im Irisnebel

Der nordwestliche Teil des Irisnebels,
aufgenommen vom Weltraumteleskop Hubble.
(NASA/ESA)
Das Weltraumteleskop Hubble hat ein detailreiches Bild des Irisnebels im Sternbild Kepheus geschossen: der etwa 1.400 Lichtjahre entfernte Nebel besteht aus Staubkörnchen, die zehn bis hundert Mal kleiner sind als die Staubkörnchen in gewöhnlichem Hausstaub.
Der ca. sechs Lichtjahre durchmessende Irisnebel ist ein Reflexionsnebel, das heißt er streut das Licht eines massereichen, sehr hellen Sterns in seinem Inneren. Im Gegensatz zu Emissionsnebeln emittieren Reflexionsnebel selbst aber kein Licht, aufgrund der Art ihrer Lichtstreuung erscheinen sie daher blau. Im Fall des Irisnebels sind allerdings auch Regionen zu sehen, die eine rötliche Färbung aufweisen. Die rötlichen Staubfilamente deuten auf Kohlenwasserstoffverbindungen hin.
Durch die Detailanalyse von kosmischem Staub erhoffen sich Astronomen Hinweise auf die “Zutaten” für die Geburt neuer Sterne.
Blick ins Innere von Centaurus A

Blick ins Zentrum von Centaurus A.
(ESO/Y. Beletsky)
Centaurus A ist mit einem Abstand von 11 Millionen Lichtjahren die uns nächstgelegene elliptische Riesengalaxie, und eines der am genauesten untersuchten Objekte des Südhimmels. Ihr ungewöhnliches Erscheinungsbild zog bereits im Jahr 1847 die Aufmerksamkeit des berühmten britischen Astronomen John Herschel auf sich, der eine Durchmusterung des Südhimmels vorgenommen und eine umfassende Liste von Nebeln erstellt hatte.
Was Herschel noch nicht wissen konnte, ist, dass das spektakuläre Aussehen der Galaxie auf ein undurchsichtiges Staubband zurückgeht, das den Zentralbereich der Galaxie verdeckt. Aus heutiger Sicht ist dieser Staub der stumme Zeuge eines gewaltigen kosmischen Ereignisses, das vor 200 bis 700 Millionen Jahren stattfand. Damals hat sich die Galaxie eine kleinere, gas- und staubreiche Spiralgalaxie einverleibt, deren Reste noch heute in der Zentralregion von Centaurus A nachweisbar sind und dazu führen, dass sich dort neue Generationen von Sternen bilden. Den heutigen Modellen zur Galaxienentstehung zufolge bilden sich große elliptische Galaxien ganz generell durch diese Art von Verschmelzungsprozessen.
Einen ersten Blick auf die “Essensreste” von Centaurus A ermöglichte bereits das Infrared Space Observatory (ISO) der europäischen Raumfahrtagentur ESA. Die ISO-Bilder zeigen eine rund 16.500 Lichtjahre breite Struktur, die an eine kleine Balkenspiralgalaxie erinnert. In jüngerer Zeit haben Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Spitzer gezeigt, dass die Struktur eher die Form eines Parallelogramms besitzt – Formen dieser Art sind durchaus zu erwarten, wenn eine Spiralgalaxie mit einer elliptischen Galaxie verschmilzt und dabei verzerrt wird.
Die jetzt von der ESO veröffentlichte Aufnahme nutzte ein neues Verfahren, mit dem die Astronomen geradezu durch den Staub hindurch sehen konnten. Dazu wurden mit SofI, einer Kombination aus Infrarotkamera und Spektrograf am 3,58-Meter New Technology Telescope (NTT) des Observatoriums der ESO in La Silla/Chile, Bilder in drei verschiedenen Wellenlängenbereichen des nahen Infraroten aufgenommen. Der Staub, der den Blick auf die Zentralregionen der Galaxie verdeckt, beeinflusst das Licht in diesen drei Wellenlängenbereichen auf unterschiedliche Art und Weise; das neue Verfahren kombiniert die Informationen der drei Teilbilder so, dass der Einfluss des Staubes weitgehend eliminiert wird. Das Ergebnis ist ein beispiellos klarer Blick auf das Zentrum von Centaurus A.
Vorangegangene Beobachtungen hatten gezeigt, dass im Zentrum von Centaurus A ein supermassereiches Schwarzes Loch lauert. Die Masse dieses Schwarzen Lochs entspricht rund 200 Millionen Sonnenmassen, dem 50fachen der Masse des Schwarzen Lochs im Zentrum unserer Milchstraße. Das zentrale Schwarze Loch von Centaurus A wird kontinuierlich mit neuer Materie gefüttert, wodurch Centaurus A zu einer aktiven Galaxie wird: sie ist eine der hellsten Radioquellen am Himmel, und Radio- und Röntgenbeobachtungen zeigen, dass aus dem Galaxienkern hochenergetische Teilchenströme, sog. Jets, nach außen geworfen werden.